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Kenju-ryu - was ist das?
Was das Kenju-ryu (wörtl.: „Schule der weichen Faust“) so interessant macht, ist die Tatsache, dass es nicht, wie die meisten hier etablierten Karatestile, durch sporttypisiertes Karate verzerrt wurde. Tritttechniken werden nur zur Unter- und Mittelstufe ausgeführt, so wie es auch in den klassischen alten Kata gelehrt wurde. Ebenso wird in diesem Stil auch auf lange, tiefe Stände verzichtet.
Ein Ziel des Kenju-ryu ist es, sich vom Wettkampf-Karate zu distanzieren. Ebenso distanziert es sich von den allgemein üblichen traditionellen Didaktiken und unterwürfigen Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern. Neueinsteigern wird die Botschaft vermittelt: „Du trainierst mit uns, nicht unter uns!"
Das Kenju-ryu verzichtet auch auf die oftmals aufgesetzten oder künstlich aufgepfropften philosophischen, heilerischen oder gesamtheitlichen Gesichtspunkte, die viele anderen Systeme wie ein Gütesiegel, aber oftmals als leere Worthülse, vor sich hertragen.
Es ist ein flexibler Stil, welcher die Anwendungen durch Partnerübungen und Zwei-Mann-Formen, auch Tandem Drills genannt, lehrt. Damit lehnt es sich an Interpretationen an, wie sie seit frühester Zeit praktiziert wurden. Dies impliziert, dass es nicht nur Schläge, Tritte und Stöße sondern auch Würfe, Würger, Hebel, Griff- und Bodentechniken u.v.a.m. beinhaltet.
Beim Partnertraining wird auf sogenannte Ständer- bzw. Salzsäulenangriffe (Pillar Attacks) verzichtet, um nicht ein falsches Sicherheitsgefühl zu schaffen, denn was nützt ein Angriff im Training, der die Verteidigungstechnik von Vornherein unterstützt?
Die Übungen mit dem Partner, sowohl mit einem als auch mit mehreren, bewaffnet und unbewaffnet, im Stand und am Boden, sind das A und O des Trainings. Wenn auch viele „traditionelle" Systeme es sich auf die Fahne schreiben, dass sie offen genug seien, um Kombinationen mit moderneren Kampfsport- oder Kampfkunstsystemen zuzulassen, so ist dies etwas, was beim aktuellen Training des Kenju-ryu wie selbstverständlich geschieht. Somit werden wertvolle Ergänzungen hinzu gefügt, wobei diese „neuen“ Konzepte als sogenannte Realitätsfilter fungieren.
Auf Realitätsnähe wird beim Training großen Wert gelegt, auf Anachronismen um ihrer selbst Willen („l´art pour l´art“) wird dagegen verzichtet. Gearbeitet wird nach dem Prinzip „weniger ist mehr". Wichtig ist, dass die Techniken funktionieren. Präferiert wird einfache Mathematik bzw. Physik und keine Esoterik!
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